Eine europäische Stadt
Die politisch Verantwortlichen versuchten auch sehr bald internationale Organisationen nach Luxemburg zu holen, lange Zeit ohne Erfolg. Doch dann, plötzlich, im Jahr 1952, bietet sich die große Gelegenheit, auf welche die Stadt seit vielen Jahrzehnten gewartet hatte. Die Außenminister der sechs Gründungsmitglieder der "Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl EGKS", zu denen auch das Großherzogtum gehört, entscheiden sich für Luxemburg als vorläufigen Sitz. Ein Sprichwort besagt, daß nur das Vorläufige Bestand hat: Luxemburg ist heute , neben Straßburg und Brüssel, einer der drei Sitze der "Europäischen Union". Folgende europäische Organisationen haben sich in Luxemburg niedergelassen: der Gerichtshof, die Investitionsbank, der Rechnungshof, das Sekretariat des Parlaments, verschiedene Abteilungen der Kommission, das Amt für amtliche Veröffentlichungen und einige andere.
Die neuen Umstände hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Stadt. Ab 1960 richtete man auf dem Kirchberg-Plateau, das über die "Großherzogin-Charlotte-Brücke" mit der Oberstadt verbunden wurde, ein europäisches Verwaltungszentrum ein. Rund 8.000 Beamte arbeiten dort. Nach den Worten Jean Monnets entwickelte sich Luxemburg von der "Kleinstadt zu einem Treffpunkt Europas".
Die Entwicklung des Finanzplatzes Luxemburg, Ende der sechziger Jahre, unterstreicht den internationalen Charakter der Stadt. Die Zahl der ansässigen Geldinstitute stieg von 17 im Jahre 1960 auf 218 im Jahr 1994. Die wachsende Bedeutung des Bankensektors brachte jedoch nicht ausschließlich positive Nebenerscheinungen mit sich. Viele architektonisch wertvolle Bürgerhäuser aus dem 19. und 20. Jahrhundert mußten klobigen modernen Verwaltungsgebäuden weichen.
Trotz ihrer relativ bescheidenen Einwohnerzahl von circa 100.000 Einwohnern, hat sich Luxemburg durch den internationalen Dienstleistungssektor und durch die ebenso internationale Zusammensetzung der Bevölkerung zu einer Metropole entwickelt. Über 60 % der Einwohner stammen aus anderen Ländern, die meisten davon aus den Staaten der "Europäischen Union". Die Stadt ist ein Mikrokosmos des Europas von morgen.




